Posts from "January, 2012"

MeetOne – SpamOne – BlockOne

Alle Jahre wieder, kommt ein Wannabe Social Network auf die Idee, allen Kontakten seiner Benutzer Einladungsmails zu schicken. Dass selber Schuld ist, wer die Zugangsdaten seines Mailaccounts rausgibt (besonders lustig natürlich bei Google Mail, wo auch noch der Rest des Lebens einsehbar ist), sei unbestritten.

Als ungefragter Empfänger fühle ich mich aber nicht schuldig, und will demnach auch nicht bestraft werden. Werde ich aber momentan, und nicht nur ich.

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Schuld an alledem ist die meetOne GmbH [Katharinenstraße 9, 20457 Hamburg | AG Hamburg, HRB 110736], an der auch Pro7 beteiligt ist. War ja klar – wo die ihre Finger drin haben, kann nur Dünnschiss bei rauskommen.

Infolge des Spams habe ich meetone.de und meetone.com gerade auf sämtlichen von mir administrierten Servern auf die Blacklist des Mailservers gesetzt. Damit hat sich der potentielle Kundenkreis des Unternehmens gerade ein wenig verkleinert. Und wenn ihr alle fleißig mitmacht und MeetOne auch auf euren Servern auf die Spamlisten setzt, haben wir vielleicht bald Ruhe vor solchen Marketingmaßnahmen – meine Kunden werden jetzt jedenfalls keine MeetOne Kunden mehr.

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Coole Sau!

Wahre Begebenheit: Es ist Abend, viertel nach sechs, irgendwo im Rheinland. Ein Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) fährt gemächlich durch den Feierabendverkehr gen Rettungswache, aus dem Lautsprecher tönt “Sexy” von Marius Müller-Westernhagen.

Notärzte sind eben richtig coole Säue.


@youtube

Ein Präsident wird demontiert

Was nach dem versuchten, und inzwischen durch die Bank als gescheitert eingestuften, “Befreiungsschlag”-Interview am Mittwoch Abend begonnen hat, geht heute in unverminderter Schärfe weiter: Die Medien demontieren Christian Wulff, unseren Noch-Bundespräsidenten.

Einen guten ersten Überblick der Donnerstagmorgen-Ausgaben einiger Zeitungen bietet die Tagesschau auf ihrer Webseite. Weitere Reaktionen haben Spiegel und Zeit zusammengetragen, der Tagesspiegel widmet Wulff sogar eine eigene Werbeanzeige.

Und auch die unserem Präsidenten angeblich so wichtige Ehrlichkeit und Offenheit wird weniger als zwölf Stunden nach Ausstrahlung des Interviews schon stark in Zweifel gezogen.

Da ist zum einen die Aussage, der Anruf bei Kai Diekmann, seines Zeichens Chefredakteur der meistgelesenen Tageszeitung Deutschlands, sei eine Bitte gewesen, die Berichterstattung um einen Tag aufzuschieben. Was schon im ersten Moment pathetisch klang – haben doch inzwischen genügend Wortfetzen des peinlichen Mailboxauftritts ihren Weg ins Internet gefunden um auch dem Letzten klarzumachen, dass das keine Bitte war – wurde denn auch prompt als faule Ausrede zurückgewiesen, von keinem geringeren als Nikolaus Blome, der Nummer Zwei der Bild-Zeitung.

Zum anderen die beispiellose Transparenz, die durch Wulffs Anwälte gleich am Donnerstag morgen für alle Bürger einsehbar im Internet geschaffen werden sollte: hier ist sie (inhaltlich gleich: dieses sechsseitige PDF). Wenn das Wulffs Vorstellung von nie dagewesener Transparenz entspricht, wird klar, in welchem geistigen Sumpf der Präsident steckt.

Dass das Echo im Netz ebenfalls höchst negativ ausfällt, überrascht da nicht. Teilweise ist sehr schöne Satire dabei, so beim Postillon. Auf Twitter sucht man nach passenden Titeln für die Verfilmung der Story.

Wir dürfen gespannt bleiben, wie lange unser Präsident von Merkels Gnaden diese Show weiterspielen möchte. Präsident der Deutschen ist er jedenfalls nicht mehr, das hat der DeutschlandTrend Extra vom Mittwoch (vor dem Interview) bereits festgestellt.

Für den kommenden Samstag ist übrigens eine Demo vor Schloss Bellevue angekündigt – Wulff den Schuh zeigen. Bis jetzt hat sich nur eine kleine Gruppe angemeldet, was vor allem daran liegen dürfte, dass sich alle Parteien und Gewerkschaften mit all zu lauter Kritik am Staatsoberhaupt oder gar Rücktrittsforderungen (noch?) zurückhalten und die Veranstaltung daher nicht professionell organisiert ist.

Ein Interview und seine Folgen: eine kurze Presseschau

Das war es nun also, das große präsidiale Interview, das mit allen Fragen aufräumt und die Welt wieder gerade rückt. Moment – echt jetzt? Das war’s?

Das selbstmitleidig dreinblickende, etwas zusammengesunkene Häuflein Elend, das den  Hauptstadtchefs der beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gegenübersitzt, soll unser Bundespräsident sein? Das verspricht ja heiter zu werden.

Aber heiter wird es nicht. Eher abgrundtief traurig – dieser ganze 25 Minuten währende, demütige Grabenkampf soll alle Fragen beantwortet und alle Zweifel an der Integrität  ausgeräumt haben? Nein, Herr Wulff, bei allem Respekt vorm Amt, und aller gebotenen Rücksicht: das reicht nicht. Sich selbst als “Opfer” der ach so bösen Medien zu inszenieren, väterliche Beschützerinstinkte als Entschuldigung anzuführen, das reicht für eine eigene Talkshow auf Pro7. Aber von einem Bundespräsidenten hätte ich mehr erwartet; von einem Bundespräsidenten muss ich auch mehr erwarten, sonst könnte ich den Job ab morgen übernehmen.

Nicht, dass die Interviewer sich besonders mit Ruhm bekleckert hätten; zu behaupten, Freunden der Familie eine Übernachtung im Gästezimmer mit 150 Euro in Rechnung zu stellen, war eine  – aus der Situation gewachsene, aber dennoch – Dummheit. Das nimmt Ihnen niemand ab, Frau Schausten; und es lässt Herrn Wulff schon wieder fast sympathisch erscheinen, will man ihm doch an dieser Stelle sein Leiden unter den Medien tatsächlich abnehmen.

Nicht abnehmen dafür will man ihm, oder besser: darf man ihm! einige andere Aussagen. Er habe nur darum gebeten, die Berichterstattung einen Tag lang zu verschieben, heißt es da in Bezug auf den peinlichen Mailboxauftritt bei Herrn Diekmann von der Bild. Das hört sich nach einer faulen Ausrede an. Und das ist es auch, wie die FAZ online präzise nachhält: zur Kriegserklärung (“gebeten”?!) auf der Diekmannschen Mailbox kommt es erst am 12. Dezember, einen Tag nachdem der Springer Verlag die Story bereits auf Bitte des Bundespräsidenten einen Tag nach hinten verschoben hat. [Update 5.1.2012: auch Bild-Vize Blome widerspricht der Darstellung Wulffs] Und auch der Einschüchterungsversuch eines Zeit-Journalisten im letzten Jahr, der ins Schloss Bellevue zitiert wurde um sich eine dem Vernehmen nach ganz und gar unpräsidiale Standpauke abzuholen, wird in der Wahrnehmung Wulffs zu einem netten, entspannten Gespräch. Wäre er nicht Bundespräsident, man würde Herrn Wulff akuten Realitätsverlust, gepaart mit latenten Gottkomplexen, unterstellen.

Und so senkt sich denn auch im Nachklang des Interviews der mediale Daumen über unserem Bundespräsidenten. Neben dem Kommentar auf FAZ.net fällt die Bewertung des Spiegel ernüchternd aus – der Titel spricht für sich (“Das war nichts”). Auch N24 befindet erwartungsgemäß negativ: “Zum Fremdschämen”. Besonders schmerzen dürfte in Bellevue aber, dass auch in den öffentlich-rechtlichen das Echo negativ ist; hielten sich die Großen, Deppendorf und Schausten, die das Interview selber führten, vor Veröffentlichung der vollständigen Aufzeichnung in ihren Bewertungen noch vornehm zurück, so ist der Tagesschau.de-Kommentar doch fast ebenso vernichtend wie der der privaten Kollegen: Wulff ist nicht mehr als Präsident geeignet, heißt es da schon in der Titelzeile.

Nein, geeignet ist er nach dieser Achterbahnfahrt definitiv nicht mehr. Aber Hand auf’s Herz: War er das jemals? Oder ist vor gut einem Jahr ein treuer Parteijünger aus machtpolitischen Gründen völlig unvermittelt vom Ministerpräsidenten zum Präsidenten befördert worden?

Genau diese Politik des unbedingten Machterhalts könnte es sein, die unseren Herrn Präsidenten Wulff über die Affäre rettet – denn weder hat die Union momentan eine passable Alternative zu bieten, noch kann sie sich sicher sein, ihren Kandidaten durch die Bundesversammlung zu bekommen. Da lebt man doch lieber mit einem – inzwischen zur Flugunfähigkeit gerupften – Spatzen in der Hand, als auf die Taube auf dem Dach zu setzen. Denn die gehört nicht der richtigen Partei an.

Das ist schade, ja geradezu peinlich für eine Demokratie. Aber politische Realität.